Tag: 11. Februar 2018

Dem Sexismus die Brust zeigen!

Immer mehr Frauen bekennen sich zu den Zielen des Feminismus und zu #metoo und engagieren sich gegen die von weißen alten Männern aufgezwungene Sexualisierung ihres Geschlechts. Hier ein typisches Beispiel aus einer britischen Tageszeitung, die sich inhaltlich – erkennbar deutlich – zu mehr als 80 % dem Thema “Sexuelle Belästigungen” widmet. Und die daran beteiligten Frauen tragen nicht nur schwarz, sondern zeigen auch in vielen anderen Farben ihren Abscheu gegen das würdelose Treiben der Sexisten. Sehen Sie selbst!

Essen in Trappes. Jetzt 100% halal

Screenshot: Google Street View

Stellen Sie sich vor, Sie leben in einer mittleren Kleinstadt mit weniger als 40.000 Einwohnern. Sagen wir in Würselen, Meppen, Cloppenburg oder Tuttlingen. Vielleicht müssen Sie es sich nicht einmal vorstellen, sondern leben tatsächlich in einem der Orte, die im Zentrum eine waschbetongepflasterte Fußgängerzone vorweisen kann, aber auch außerhalb dieser eine gewisse Heimeligkeit bewahrt hat, in der es sich angenehm leben lässt. So wie das Schwarzwaldstädtchen Freudenstadt oder das pittoreske Garmisch-Partenkirchen. Wo man solche feinen, schweinernen Gerichte wie Schäufele und Schweinsbraten schätzt und traditionsbewusst zuzubereiten versteht.

Das Antidepressivum zum Sonntag – Politiker und andere Gaukler

 

Alles ist in Aufruhr! Während ich dies schreibe – es ist Freitagnachmittag – jagen sich die Gerüchte und Meldungen im Galopp durch die Pampa, und beim Sichten verdichtet sich die Überzeugung, dass die Gerüchte weitaus glaubwürdiger sind als alles Offizielle.

Der Gewährsmann in Würselen kabelt mir, in der geplagten Gemeinde ginge der Blanke Hans um. Kommt Martin Schulz jetzt wieder zurück? Eröffnet er eine Herrenbutike im Wurmtal? Ist seine Zeit auf dem großen internationalen Parkett vorüber? Telefoniert er fortan nicht mehr mit Macron, sondern mit Mariacron? Angeblich sei das zu 100% sicher.

Aber nein, aber ja, aber nein, aber ja, aber das ist alles ganz anders, hört man aus anderen Quellen. Konkreteres lässt sich zur Stunde noch nicht sagen, aber ich habe ja auch gerade erst angefangen zu schreiben, wer weiß, was sich in den kommenden Stunden tut. Eins steht in jedem Falle fest: ein so lustloses Karneval wie in diesem Jahr hat es lange nicht gegeben. Da können sich die Jecken in den so genannten karnevalistischen Hochburgen noch so kostümieren und volllaufen lassen – gegenüber den Narreteien in Berlin haben sie keine Chance. Es ist ein Trauerspiel, wenn einem selbst die definitiven Kernkompetenzen Jux und Tollerei von der Politik so einfach weggenommen und dann sinnlos verjubelt werden. Kein Wunder, dass der seit 11 Jahren in Düsseldorf praktizierende Hoppeditz es in diesem Jahr vorzieht, die Karnevalstage im Krankenhaus zu verbringen. Er fiel, so mein Gewährsmann am Rhein, beim Tanzen von einem Tisch und brach sich zwei Rippen. Was vor allem beim Lachen ausgesprochen schmerzhaft sein soll (ich erzähle für einen Freund). Nun fragen sich alle in der NRW-Metropole: Wird der Hoppeditz am Aschermittwoch vielleicht sogar seine eigene Beerdigung verpassen? Sie sehen: Nicht nur in Würselen drücken die Sorgen schwer.

Womit wir bei einer zumindest teilweise drallen Dame namens Patricia Blanco wären. Der sind nach einer weiteren Brustmodifikation nämlich jetzt die Brustwarzen abgestorben und mussten entfernt werden. Diese laut der Betroffenen „wichtigsten Körperteile einer Frau“ sahen zuletzt wie ein auf dem Grill vergessenes Scheibchen Schweinefilet aus, und da sich das nicht jeder vorstellen kann, ließ Frau Blanco keine Gelegenheit aus, die sterblichen Relikte in der Knallpresse bildlich in einem Requiem zu präsentieren. Man muss schon hart gesotten sein, um da nicht zu erschaudern, weshalb ich auch nicht auf die entsprechenden Seiten verlinke. Frau Blanco hofft nun, dass ein meisterhafter Chirurg aus ihren Schamlippen zwei neue… Schimpfen Sie doch nicht! Ich berichte nur! So etwas könnte ich mir im Leben nicht ausdenken. Was Sie mir wieder zutrauen! Es ist alles in Wort und BILD verbürgt, und es wird nicht lange dauern, bis Presse, Funk und Fernsehen Sie über den Fortgang der Ereignisse weiter informieren werden.

Eigentlich versuche ich gerade nur, etwas Zeit zu schinden, nur allzu gerne würde ich Ihnen aus erster Hand unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitteilen können, wer denn nun designierter deutscher Außenminister ist. Momentan ist es wieder Siggi Gabriel, aber das kann sich ja minütlich ändern. Was macht der grundsolide und sympathische Ralf Stegner, ein geborener Diplomat, eigentlich noch so? Apropos ministrabel. Sagen Ihnen die Namen Hans-Joachim von Merkatz und Heinrich Windelen noch etwas? Das waren zwei von insgesamt neun bundesdeutschen Ressortleitern des Vertriebenenministeriums. Ein solches gab es zwanzig Jahre lang bis 1969; wenn überhaupt, werden sich also nur die Älteren unter uns erinnern. So wie an das Bundesministerium für Post und Telekommunikation und das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen und das Bundesschatzministerium; letzteres wurde ebenfalls 1969 aufgelöst, also schon lange vor Meldungen bezüglich anzüglicher Bemerkungen am Arbeitsplatz. Aus einer gewöhnlich gut informierten Quelle erreichte mich nun die Nachricht, einige nicht näher bezeichnete Nachbarstaaten Deutschlands zögen in Erwägung, angesichts der zunehmenden Verunsicherung der Bundesbevölkerung eigene Vertriebenenministerien einzurichten. Sicherlich eine gute Idee, um der zu erwartenden Flut von Asylbewerbern aus den Reihen derer, die schon länger in Deutschland lebten, Herr zu werden.

Apropos anzügliche Bemerkungen. Da hat ja mal wieder einer von der AfD seinen wahren Charakter gezeigt und das Wort „Hochofen“ in einen Tweet geschmuggelt. Gleich wurde er angezeigt, und der Zentralrat der Hoch- und Tiefofenbetreiber ist empört. Wäre ich in der AfD, ich würde den Mund gar nicht mehr aufmachen. „Ich bin über die Autobahn hergekommen!“ Anzeige ist raus. „Ich war gestern in einer Wagner-Oper.“ Anzeige ist raus. Man mag sich gar nicht vorstellen, wenn jemand von der AfD in der Kneipe ein „Lager“ bestellen würde! Klappe völlig halten wäre allerdings auch keine Lösung. „Der sagt ja nichts! Da kann man sich ja denken, was der denkt!“ Anzeige ist raus.

Es ist späterer Nachmittag, Noch immer nichts Neues aus den Parteizentralen. Dann gehe ich noch einmal auf meinen kleinen Bericht aus der Islamhochburg Trappes von vorgestern ein. Während ich nur aus der Retorte darüber berichtet habe – alleine die Vorstellung, Paris hinter mir zu lassen, um nach Trappes zu gelangen, lässt mich erschaudern – hat sich eine Kollegin von der WELT echt dorthin getraut (https://www.welt.de/politik/ausland/article173376346/Gescheiterte-Integration-in-Trappes-50-Maenner-und-keine-Frau.html#Comments). Das war ohne Frage mutig, wenn auch nur in Maßen. In die „Bar du Mérisier“, wo Männer sitzen und „aus kleinen Gläsern gesüßten Pfefferminztee“ trinken, hat sie sich denn doch nicht getraut. Schmerzlich vermisst man in solchen Momenten tollkühne Journalisten wie Peter Scholl-Latour. Dem hätte zwar – als Mann – in der „Bar du Mérisier“ keine Gefahr gedroht, er recherchierte aber dafür auch an Orten, von denen heil zurück zu kehren auch für einen Mann nicht garantiert war. Scholl-Latour wäre wahrscheinlich sogar einen Hamburger aus dem örtlichen Burger King essend während des Ramadan durch Trappes geschnürt. Über die Avenue Mahatma Gandhi, an der liegt die Bar nämlich, direkt neben dem Halal-Metzger 

Narren, Schwindler („Niemand hat die Absicht, eine Große Koalition einzugehen“) – die Welt ist aus den Fugen. Da muss ich an eine Episode denken, die mehr als 30 Jahre zurück liegt. „Lass uns ins Crazy Horse gehen!“ sagte Freund D. Ich war nicht abgeneigt, die Damen hatten an diesem Abend ein eigenes Programm, und wir langweilten uns entsprechend. Crazy Horse, das ist jenes Cabaret an der Avenue George V nahe den Champs-Élysées, das sich, so heißt es, „an ein anspruchsvolles Publikum richtet.“ Also an uns. Dort springen, um es nicht allzu ausufernd zu beschreiben, ausgesprochen schöne Frauen mehr oder weniger unbekleidet durch bunte Lichter und singen dabei. Seit der Gründung 1951 war das Etablissement nicht unumstritten, es bestand sogar vor einigen Jahren die Gefahr eines Indianerüberfalls – ein Abkömmling von Häuptling Crazy Horse, dem tapferen Bezwinger des Generals Custer, fühlte die Stammesehre durch den Namen des Clubs beschmutzt. Offenbar war der Protest nicht erfolgreich, Crazy Horse Clubs gibt es inzwischen in aller Welt, bis hin nach Australien.

Aber der in Paris ist der einzige wahre Echte . Und den betraten wir an diesem kalten Winterabend Ende der 1980er Jahre, wurden an einen Tisch mit Aussicht platziert, orderten eine Flasche Kribbelwasser und harrten der Dinge. Die sind in der Tat hübsch anzusehen und sind – so sehe ich es jedenfalls – durchaus familienfreundlich, was die Erotik angeht. Gut, bei Facebook dürfte man ein Bild vom Geschehen auf der Bühne nicht posten, aber sonst? Mon dieu! Jedes Gemälde von Adam und Eva bietet mehr an Reizen, von gleichnamigen TV-Sendungen ganz abgesehen. (http://bit.ly/2EVqj4G) Die Choreografien waren ohne Zweifel pfiffig und ausgefeilt, die Frauen waren, soweit man das durch das Geflimmer erkennen konnte, unfassbar schön, und die Musik hörte sich an, wie sich Musik anhört, die im deutschen Fernsehen Berichte über Paris untermalen. Eine Gruppe von anspruchsvollen Japanern neben uns war begeistert, und einige der Herren bemühten sich redlich, das eine oder andere Foto zu schießen, was streng untersagt war.

Nach einiger Zeit war eine Art Pause angesagt, allerdings nur für die Darstellerinnen. Kaum hatten diese juchzend und trällernd die Bühne verlassen, wurde ein kleiner Tisch herbei getragen und abgestellt. Diesem Tisch folgte eine mehr als merkwürdige Gestalt, die zu beschreiben ich gar nicht erst versuchen will, statt dessen schauen Sie sich bitte ein Bild an.

Sie können sich vielleicht den Schock vorstellen, den das Auftauchen dieses Menschen nach all den Mimis und Nanas und Froufrous auslöste. Und was machen Menschen oft, um mit einem Schock umgehen zu können? Sie lachen brüllend los. Was auch im Crazy Horse sogleich passierte. Zu der ohnehin schon bizarren Physiognomie kam die nicht weniger verstörende Körpersprache, die der einer Marionette entsprach, welche von einem volltrunkenen Puppenspieler geführt wird. Ich gestehe: ich war hin und weg! Freund D. saß regungslos neben mir, den Oberkörper vorgebeugt, so als könne er durch die dadurch gewonnenen Zentimeter den Crazy Man noch besser beobachten. Was die Japaner machten, kann ich nicht sagen, für die hatte ich jetzt keine Augen mehr.

Dieser Mann war Mac Ronay , ein vor allem in Frankreich und Italien populärer Zauberkünstler und Komiker, geboren 1913, gestorben 2004, einen Tag nach seinem 91. Geburtstag. Ronay, das wussten wir damals nicht, als wir ins Crazy Horse gingen, war seit Jahren die (männliche) Attraktion des Clubs. In jungen Jahren arbeitete er als Artist in den USA, ging dann in den 1930er Jahren zurück nach Frankreich und trat dort in Cabarets wie dem Casino de Paris und dem Bobino zusammen mit Maurice Chevalier auf. Von 1956 bis 1989 gehörte er zum festen Ensemble des Crazy Horse und stahl dort wohl so mancher Nymphe die Show, denn ich darf annehmen, dass der Abend, an dem ich ihn sah, nicht anders ablief als alle anderen Abende, an denen Ronay auftrat und vergeblich versuchte, Zaubertricks vorzuführen. Das Publikum war nicht zu bändigen vor Begeisterung, derweil Mac Ronay auf der Bühne immer verzweifelter schaute, wollte ihm doch so gar nichts gelingen bei seinen Kunststückchen. Und man merkte, die Herzen der Zuschauer flogen ihm nur so zu, so wie auch die Herzen der Tänzerinnen, die irgendwann zurück auf die Bühne kamen und den noch immer irrlichternden Clown sanft und eher zögerlich davon scheuchten. Als Mac Ronay dann endlich unter nicht enden wollendem Applaus verschwunden war, drehte sich Freund D. zu mir um und sagte mit todernster Miene etwas, dass ich nie vergessen werde: „Listen, Archi, if you can do this, you can have every woman in the world.“

Siegfried und Roy: „Ohne Mac Ronay wäre die Magie nicht das, was sie heute ist. Er hat uns beigebracht, dass wir uns nie zu ernst nehmen sollten!“

Tollpatschige Gaukler und Zauberer gibt es gewiss viele, manche sind lustig, manche sind naja, manche gehen in die Politik. Mac Ronay war ohne Frage einer der größten, alleine schon durch Mimik und Gestik, und dass die deutsche Wikipedia ihm bis heute keinen Eintrag widmet, ist eine Schande, zudem er auch in Deutschland nicht unbekannt war. Bei Youtube findet man einen sehr kurzen Clip mit ihm und Rudy Carrell aus den 1960er Jahren.

Es gibt leider nicht viel gutes Filmmaterial von Mac Ronay, wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass er meist in schummrigen Etablissements auftrat und das Publikum damals noch keine Handys bei sich trug. Es müsste deutlich mehr Dokumentarmaterial geben, immerhin trat Ronay alleine in Frankreich mehr als 200 Mal im Fernsehen auf und auch in den USA, in Hollywood, Las Vegas und Reno, hatte er immer wieder eigene Shows sowie Gastauftritte in populären TV Shows. Nicht zu vergessen eine Reihe von Mitwirkungen in französischen und italienischen Filmen, so mit Luis de Funès, Marcello Mastroianni und Lino Ventura. Dennoch, gute Clips im Internet von seinen Auftritten sind selten.

1989 verlieh ihm der damalige französische Kulturminister Jack Lang den Titel Chevalier des arts et des lettres, in Anerkennung seiner Rolle als Vertreter der französischen Kultur im Ausland. Sein Sohn, der unter Mac Ronay jr. auftritt, hält die Nummern seines Vaters bis heute auf der Bühne lebendig.

Eigentlich müsste ich ja nach diesem Exkurs in die gute alte Zeit wieder zum Anfang zurück schwenken. Aber will ich das? Wollen Sie das? Eben. Ist doch egal, wer unter Merkel den Außenminister mimt.

Mac Ronay 1968

Mac Ronay im italienischen Fernsehen

Mac Ronays Filme 

Mac Ronay bei Rudi Carrell 

Mac Ronay und Coluche in „Brust oder Keule“