Unzucht im Mühlviertel!

Das Mühlviertel ist nicht nach dem bekannten Schweinigel Otto Mühl benannt, sondern, so weiß es Wikipedia,  “ist jener Teil Oberösterreichs, der nördlich der Donau liegt und zum Granit- und Gneishochland gehört.” Granit und Gneis, das klingt nach harten Tatsachen, wenn auch nur im Bereich Geologie. Dass von dort aus auch unzüchtige Bilder verbreitet werden, hätte man sich im Leben nicht denken können – doch Facebooks Sittenwärter haben überall ihre Augen offen. Also auch im Mühlviertel. Der in Putzleinsdorf (Bezirk Rohrbach) als Pfarrer wirkende Norbert Hanrieder, der zu den bedeutendsten Mundartdichtern Oberösterreichs gehörte – von ihm stammt auch die Mühlviertler Hymne – dürfte in seiner Gruft rotieren.

Was war geschehen? Ein Mühlviertler namens Herbert Keplinger hat auf Facebook Plattencover gepostet. Der Mann ist passionierter Musiksammler, Betriebselektriker und Hobby-DJ und besitzt an die 20.000 LPs und CDs. Darunter auch die inzwischen stark angestaubte, aber immer noch populäre Platte “”Zwickt’s mi” des österreichischen Liedermachers Wolfgang Ambros. Das Werk ist mehr als 40 Jahre alt, und das auf dem Cover abgebildete Körperteil dürfte inzwischen reichlich runzlig geworden sein. Was allerdings für Facebooks Sittenwächter kein Argument gegen eine Sperre des Delinquenten aus Vorderweissenbach im Mühlviertel ist. Sehen Sie hier das corpus delicti. Ui ui uiuiuiui! Hier können Sie Wolfgang Ambros, umgeben von sauberen jungen Menschen, sehen, wie er sein Liedl 1974 zum Besten gibt.

Kaum war die Sperre aufgehoben, handelte sich Keplinger eine erneute Sperre ein, auf einer von ihm geposteten Picture Disc war eine nackte Frau zu sehen, offenbar nicht besonders deutlich: “Die war mir bis dahin gar nicht aufgefallen.” Nicht auffallen schützt vor Strafe nicht, so Facebook. Und die bisher letzte Sperrung, diesmal für gleich 30 Tage,  gab es nun für das Posten eines Covers, das weitaus weniger zeigt als all die Nutten und Sexfallensteller, die auf Facebook unentwegt ihrem Treiben nachgehen. Die Bayerische Gruppe Groove Coverage hat das Machwerk 2002 auf den Markt gebracht, und Sie sollten diesen Link nur anklicken, wenn Sie vom Anblick weiblicher Unterwäsche nicht schockiert sind.

Herbert Keplinger hat derweil seine 30 Tage Sperre abgesessen und postet wieder Plattencover. Noch.

Link zum Skandal