Achtundsechziger Generation – Eine Abrechnung

 

Von Hans Wulsten

Nach historisch-wissenschaftlicher Definition gehöre ich zur 68iger Generation. Die feiert gerade ihr 50jähriges Bestehen. Ob die einzelnen Mitglieder dieser Bewegung feiern weiß ich nicht, aber die Medien feiern und bieten allerlei Historiker und „neue“ Erkenntnisse auf. Nun will ich mal versuchen die mit meinen Erinnerungen abzugleichen, schließlich war und bin ich Zeitzeuge.

Vielleicht ist es sinnvoll sich zunächst der Begrifflichkeit zu nähern. Da war der Vorwurf, dass die Zeit nach dem Kriege miefig und muffig gewesen sei, autoritär und verstockt, der gesamte Lehrbetrieb und die gesamte Nachkriegsgesellschaft. „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ war schon damals eine Lüge. Sie unterschlug das Wartburgfest, das Hambacher Fest, den 18. März 1848 in Berlin und natürlich komplett die Weimarer Republik. Die Presse machte daraus ein Auflagenfest, aber das Transparent blieb nichts weiter als eine Leerformel. So miefig kann es nicht gewesen sein, sonst hätten mein Vater und meine Onkel ihre Uniabschlüsse nicht mit „summa cum laude“ gemacht. Außerdem führten meine Eltern schon 1948 eine Studentenehe, dem Dekan Ernst von Herrath bekannt und von den Vorgesetzten gefördert.

Sicher, die Lehrkräfte erschienen noch mit Schlips und Kragen, man stand auf wenn man etwas zu sagen hatte, sprach die Dozenten mit SIE an und duzte sie nicht. Es herrschte eine gewisse Ordnung, manchmal zu sehr aufs Äußere, auf Formalien fixiert, aber insgesamt insofern nicht schlecht, als vom Einzelnen Disziplin – und da überwiegend Selbstdisziplin – eingefordert wurde.

Plötzlich galt das alles nicht mehr und von einigen alten Säcken abgesehen versuchten die jüngeren Dozenten mit dem Zeitgeist zu kollaborieren. Schließlich wollte man als „in“ gelten, ein neues Modewort und eine schablonenhafte Zwangsvokabel. Wer sich ihr nicht unterordnete war eben „out“. Klar, dass alle mitmachten und sich unterwarfen.

Zunächst machte sich das an Äußerlichkeiten fest. Die Lehrkräfte trugen plötzlich Rollkragenpullover und Cordjackets, setzten sich mit einer Arschbacke auf den Tisch und ließen sich duzen. Ganz fortschrittliche Mitfahrer auf dem neuen Zug diskutierten sogar mit uns die Zensurnoten. Aber all das war, wenn man hinter den Spiegel schaute, Makulatur. Leistung mußte dennoch erbracht werden.

Ein Trend wurde allerdings eingeleitet, er hält bis heute an: Das ungeheure Prestige der Quatsch- und Laberfächer. Alle möglichen gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen erfreuten sich größter Beliebtheit. Politologie war total „in“. Diese Entwicklung ist, um ein beliebtes Schlagwort zu verwenden, „nachhaltig“. Frage ich Klassenkameraden meiner im Abitur stehenden Tochter kommen ausschließlich „soziale“ Fächerwünsche vor, bei den Mädchen besonders. Ich fand das schon immer widersinnig: Fast alle die in diesen Fächern abgeschlossen hatten leben vom Staat, werden aus Steuergeldern unterhalten, fast meine ganze Generation. Ja, einige gingen in die Wirtschaft oder in die Forschung, aber von ihnen hörte man nichts und die Cleveren haben für ihre Alter selbst vorgesorgt.

Die angeblich staatkritischen 68iger, die den „repressiven“ Staat so verachteten, haben sich da seit Jahrzehnten bestens eingerichtet und beziehen heute fette Pensionen. Eine ungeheure Lebenslüge die die angebliche Lebenslüge der Großväter- und Vätergeneration weit übertrifft. Sie währt bereits 50 Jahre.

Mein Jüngster hat 2 Jahre in Budapest am BME, eine Universität die bereits 1635 gegründet wurde, studiert, was handfestes, Maschinenbau. Manchmal habe ich ihn besucht und bin in die Uni gegangen. Alles pieksauber, keine Graffiti, keine Schmierereien. Erinnere ich mich allerdings des Eingangsbereiches der Mensa der TU in der Hardenbergstraße, Anfang der 70iger Jahre und bis heute, ist mir damals schon schlecht geworden und wird es heute immer noch. Merke: Das ist der Bereich den angehende Akademiker gestalten. Gegessen habe ich da, um der Lodder-Atmosphäre zu entgehen, auch nicht oft.

Der Marsch durch die Institutionen hat perfekt funktioniert. Aus den Biolatschen- und Turnschuhträgern wurden Armanipuppen, aus Widerständlern Mitläufer, die Sozialingenieure, die die Arbeiterklasse verändern wollten, haben ein Leben lang aus dem Steuertopf gesoffen in den die „Arbeiterklasse“ eingezahlt hat. Und die Kindergeneration der 68iger macht weiter, unverfroren, rotzlöffelfrech, medienindoktriniert, zeitgeistorientiert, fordernd, erfinden ständig das Rad neu, halten sich für überlegen und großartig, sind unbescheiden, anmaßend und frei von Geschichtskenntnissen.

Fast alles was als neue Erkenntnis präsentiert wird hatten wir schon mal. Nichts, wirklich nichts ist neu. Die lautesten Schreihälse gehen in die Politik, oft Studienabbrecher, wechseln dann aus der Politik in bestens bezahlte Lobbypositionen der Industrie. Nicht mal einen Anflug von Schamesröte kann ich in ihren Gesichtern finden. Julia Schramm, ganz aktuell, ist die Schaufensterpuppe in der Ausstellung grüner Eitelkeiten.

Der nächste okkupierte Begriff war der von der Revolution. Plötzlich waren alle Revolutionäre. Ich nicht. Ich fand das endlose Diskutieren, das Träumen von Revolution und einer neuen Gesellschaft einfach spätpubertär. Vielleicht auch weil Geschichte mein besonderes Interessengebiet war und ich die Kongruenz zu anderen blutigen und gescheiterten Unruhen sah. Ich hatte das bis zum Erbrechen mit meinem Vater und anderen Autoritäten seiner Generation gemacht als ich 14 warundm will nicht verschweigen das meine Verweigerungshaltung das mit Anfang 20 erneut durchzukauen mich isolierte.

Als alle meine Freunde zum Amerikahaus in die Hardenbergstraße rannten und Farbbeutel warfen ging ich zwar mit, beobachtete das dann aber aus der Distanz. Waren die Amerikaner nicht diejenigen gewesen mit deren Trockenmilch aus CARE-Paketen mich meine Mutter großgezogen hatte. Jeder Steinwurf wäre ein Wurf der Undankbarkeit gewesen. Nicht das ich nicht auch einiges bei den Amerikanern kritisch gesehen hätte, das Wissen um die Rheinwiesen wurde unterschlagen, die Siegersicht war gelehrter Standard, und ich war mit den Demonstranten insofern einig, als ich Entlaubungsmittel in Vietnam für einen Angriff auf die Natur und die Ernährungsgrundlagen der Bevölkerung ansah.

Aber ein Protest mit Steinwürfen gegen den Vietnamkrieg überzeugte mich deshalb nicht, weil ich es unlauter fand gegen Amerikaner zu demonstrieren die unsere Freiheit in West-Berlin gegen den uns umgebenden Kommunismus garantierten während sie ihn dort bekämpften. Nur wenige Kilometer entfernt, in Ostberlin, war eine solche Demonstration völlig unmöglich, blieb ein Traum und wäre, ginge er gegen die Sowjets, brutal niedergeschlagen worden. Für mich waren die Vietkong Aggressoren. Heute habe ich Freunde in den USA, Vietnamveteranen die am posttraumatischen Belastungssyndrom leiden und Gliedmaßen verloren haben. Die Art der Kriegsführung kritisieren sie, nicht den Krieg an sich. Viele sind übrigens Trump-Wähler.

Doch auch das will gesagt sein: Bei all meiner gebliebenen Ablehnung des Kommunismus und in Kenntnis der Gräuel der Vietkong fand ich, nachträglich, als ich vor einigen Jahren monatelang in Vietnam und Kambodscha war, die furchtbaren einfach unfaßbaren Mengen an Bombenabwürfen der USA auf diese kleinen Länder kontraproduktiv und erschütternd. Das heute Kinder versehentlich auf eine Mine treten und Gliedmaßen verlieren ist furchtbar. Aber DAGEGEN hatten meine Freunde gar nicht demonstriert, ihre „Kampf“ war ein ideologischer. Antiamerikanisch zu sein war „in“.

Ganz schnell lernte ich auch die Taktik der „volksdemokratischen Revolutionäre“ an der Uni kennen. Sie hatten das zwar nicht erfunden, bereits zu den Studienzeiten meines Vaters oder Eberhard Diepgens hatte es an der Humboldt-Uni und danach an der Freien Universität funktioniert: Bei Abstimmungen blieben die Hardliner einfach so lange sitzen bis die Studierwilligen sich ihrer Kernaufgaben, der Klausuren, des Studiums, besannen und das Plenum verließen. Danach wurde abgestimmt. Klar, dass so immer das gewünschte Ergebnis erzielt wurde. Diese Technik wurde verfeinert und wird bis heute praktiziert.

Besonders stieß mich der Traum von einem anderen, einem besseren, einem neuen Sozialismus ab. Leute wie Tom Koenigs, dessen Alter Banker war und der sein Erbe dem Vietcong und chilenischen Widerstandskämpfern schenkte und ausgerechnet Betriebswirtschaft (!) studierte, erregten meinen Zorn. Ich hielt sie für arme Irre, ärgerte mich aber gewaltig über ihren Einfluß und darüber, dass so viele meiner Altersgenossen (Genossen !!! ) das für toll hielten. Für mich ist es wie ein fortwährender Frevel, einmal die mangelnde Wertschätzung der Lebensarbeitsergebnisse seiner Eltern und dann, dass so ein Mann in hohe politische Ämter gewählt wurde. Ein Spiegel für die Verlogenheit einer ganzen, meiner Generation.

Begonnen hatte es, jedenfalls für meine eigene Wahrnehmung, am 2. Juni 1967 in West-Berlin. Der Schahbesuch. Der interessierte mich insofern als Freunde meiner Eltern Iraner waren. Der Mann besaß in der Bismarck Straße einen großen Orientteppichladen, aber eher notgedrungen. Denn er hatte, und das als höherer Diplomat, Stellung gegen den Schah bezogen, der iranische Geheimdienst hatte ihn verfolgt und es drohte ihm ein Verfahren dessen Ende nur schrecklich sein konnte. Mein Vater hatte ihn operiert, so entwickelte sich eine Freundschaft. Dr. B. hatte Asyl und eine Daueraufenthaltsgenehmigung bekommen und ich erinnere mich der Gespräche VOR dem Besuch. Begeistert war Dr. B. nicht. Mein Wissen über den Schah war nicht so tief, dass ich wirklich hätte mitreden können, aber aus den Schilderungen Dr. B.‘s ging zweierlei hervor: Man konnte im Iran recht gut leben, recht frei, westlich und ungezwungen, (später sah ich Bilder von Mädchen in Miniröcken und leichter Bluse) sofern, ja sofern man das System nicht kritisierte. Der Geheimdienst SAVAK war überall. Das fand ich nicht so ungewöhnlich, das Wissen, das Autokraten nicht gerne kritisiert werden war Allgemeinplatz.

Am 2. Juni war ich im Haus meiner Eltern weil das ihr jährlich wiederkehrender Verlobungstag war. Es war ein Freitag und insofern konnte ich am Sonnabend ausschlafen, also abends etwas mehr picheln. Ich bin mir heute nicht mehr sicher ob ich die schwarz-weiß-Fernsehübertragung noch am 2. Juni sah, also am Freitag, oder erst am Sonnabend. Tatsache aber, und da trügt mich meine Erinnerung nicht, war dass wir ellenlang mit meinem Vater diskutierten. Es setzte sich die Auffassung durch, dass ein gastgebendes Land seine Gäste zu schützen hat, unabhängig davon welchen Regierungsstil es hat. Der Schah hatte den deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke eingeladen, das war der Gegenbesuch. Durch Dr. B.‘ Schilderungen waren unsere Sympathien, trotz der glamourösen Berichterstattung der Presse für den Schah begrenzt. Aber angesichts der Tatsache, dass in vielleicht 80 Prozent der Länder Diktatoren regierten, erschien uns das Riesengedöns das von den Studenten veranstaltet wurde um zu demonstrieren gesteuert und übertrieben. Auch will ich gerne zugeben, dass ich, als leidenschaftlicher Opernfan, an diesem Abend gab es „Die Zauberflöte“, mich mehr für das zeremonielle Drumherum interessierte als für die Proteste. Ohnehin ging mir die ganze Protestiererei auf den Keks und ich empfand sie als störend bei meiner beginnenden beruflichen Entwicklung. Dass Benno Ohnesorg erschossen wurde fand ich tragisch, anderseits fehlte mir das Verständnis. Berlin hatte 80 bis 100 000 Studenten, die meisten studierten ernsthaft, und wer dort glaubte Randale machen zu müssen war ein harter politischer Kern von dem ich mich bewußt fernhielt. Mich stieß schon das Wort Sozialismus ab, mit dem SDS hatte ich schon gar nichts am Hut. Als später herauskam das der Polizist Kurras von der DDR gesteuert war wunderte mich das nicht. In West-Berlin war alles möglich.

Meine Sympathie für Polizisten war sehr begrenzt, damals, aber ich hätte mich dennoch nie zu Gewalthandlungen hinreißen lassen. Später war ich einige Jahre mit einem leitenden Kriminalbeamten befreundet, mochte die Familie und die Kinder und war häufig zu Gast. Und seit Anfang der Neunziger sind wir ganz eng mit einem russischen Polizeioffizier befreundet. Dessen Kinder sind im Alter unserer Kinder. Und nun, heute, also noch später, denke ich immer an die Polizisten und die Familien der Polizisten die sich von Autonomen, also den Kindern der 68iger, mit Steinen bewerfen lassen müßen.

Rudi Dutschke imponierte mir überhaupt nicht. Mich störte schon seine fanatische Fresse, die Sit-ins, dieser alberne Widerstand in einem Raum, einer Mensa, einem abgeschlossenen Bereich, der eher an ein Labor erinnerte als an eine Massenbewegung. Überhaupt fand ich die Führungsfiguren ziemlich daneben. Fritz Teufel, Reiner Langhans, Dieter Kunzelmann (ein ekelhafter Antisemit) um nur mal 3 zu nennen, das waren doch keine Leute die intellektuell inspirieren konnten. Krank konnte ich mich über die Frankfurter Schule und ihre Theoretiker ärgern. Der Sozialphilosoph Jürgen Habermas hielt gewaltlosen Widerstand für nützlich, damit konnte ich noch leben, aber die gedankliche Eskalation entwickelte sich zwangsläufig: Die Aussage von der „erlaubten Gewalt gegen Sachen“ verursachte vor meinen Augen einen Blutschleier der Wut. Hätte ich nicht mitbekommen, dass meine Eltern als Studentenehe begonnen hatten, mit nichts, mit absolut gar nichts an Eigentum, alles zerbombt, alles zerstört, wie konnte man dann plötzlich dafür plädieren und es rechtfertigen (und diese Rechtfertigung wissenschaftlich verbrämt publizieren) erarbeitete Werte erneut zu zerkloppen, wäre es vielleicht anders gewesen. Aber auch die Eltern meiner „Freunde“ hatten mit nichts begonnen.

Da mein Lebenstraum eine unternehmerische Selbstständigkeit war, in jedem Fall etwas staatsfernes, ich damals schon jeden Steuerzugriff auf das Individuum als Raub ansah, konnte ich nicht gut heißen wenn eben neu geschaffene und aus Zwangsbesteuerung angeschaffte Nachkriegswerte wieder zerstört wurden. Ich fühlte bei jeder eingeschlagenen Scheibe, bei jeder demolierten Eingangstür, bei jedem umgekippten Polizeiwagen geradezu körperlichen Schmerz. Wenn ich dagegen protestierte wurde ich niedergeschrien. Es war wie heute: Der Marsch ging nur in eine Richtung, Abweichler wurden nicht geduldet.

Während ich Dutschke gar nicht ernst nahm, seine Tiraden eher ulkig, bzw. unrealistisch fand, hatte meine Mutter Angst bekommen. Ich konnte sie ihr aber wieder ausreden. Auf schlichtere Gemüter wie Josef Bachmann muß er wie die Inkarnation des Leibhaftigen gewirkt haben. Ich war genauso entsetzt über diesen Mord wie alle anderen auch. Zudem fand ich ihn unnötig weil er eine weitere Ikone schaffte. Die Linken leben von Ikonen und richten sich ständig neu an ihnen auf. Heute bin ich davon überzeugt das Dutschke, wäre er am Leben und unverletzt geblieben, ein staatsgepamperter Hochschullehrer an einer linken Uni geworden wäre, eingefleischten Nachwuchs-Kryptokommunisten Vorträge in marxistischer Soziologe halten würde, also ein unproduktives Fach das nur dank großzügiger Zuschüsse existieren kann, sich Mittwochs mit Lann Hornscheidt zum Kaffeetrinken treffen würde, Donnerstags mit Margot Käßmann Rotwein schlürfen und Freitags, aber nur bis 13 Uhr, mit VW-Chef Müller über die Zukunft des Verbrennungsmotors diskutieren. Im Angesicht einer dicken Altersversorgung würde er heute vermutlich hochwertige Outdoorklamotten tragen, in Deutschland hergestellt, die Ausbeutung der Textilarbeiter in Bangladingsbums beklagen und zweimal im Jahr zu Che-Erinnerungsveranstaltungen fliegen. Dutschkes Glück wäre in den weiteren Jahren gewesen, daß er Deutscher war, so viel nationales Bewußtsein muß, wenn es nützt, sein, das hätte ihm ein Schicksal erspart wie es Prof. Ernest Mandel traf, der gar nicht erst nach Deutschland und an die Uni gelassen wurde. (Genschers Erlaß)

Glücklicherweise haben die Historiker herausgefunden das Bachmann ein Rechtsradikaler war, das Aufatmen der Öffentlichkeit war deutlich hörbar. Aus linker Sicht war die BILD schuld an Bachmanns Attentat. Aber wenn man sich es zu einfach macht und immer der BILD die Schuld in die Schuhe schiebt und nicht den verkorksten Gehirnwindungen des Lesers, dann können wir bald ein neues Unheil erwarten. Hat denn nicht die BILD Gerade eine Kampagne gegen die SPD gefahren?

Besonders lächerlich kamen mir die „Enteignet Springer“-Plaketten vor. Noch heute läuft mir die Galle über wenn ich daran denke, dass die APO (Außerparlamentarische Opposition) eine „demokratische Kontrolle“ der Presse forderte. Wie sollte sowas aussehen? Nach meinem Verständnis von Pressefreiheit ging das gar nicht und ich stellte mir Kommissare vor die, (aussehend wie in Doktor Schiwago) ganz im sowjetischen Stil, jeden Artikel darauf hin kontrollierten was dem SDS (Sozialistischen Deutscher Studentenbund) oder seinen Funktionären genehm war und was nicht.

Dass ich die Springerblätter nicht ausstehen konnte hatte einen ganz anderen Grund: Sie hatten von der primitiven Sprache (Bild und BZ) mal abgesehen, schon damals einen so besserwisserischen, belehrenden Schreibstil. Ich nutzte sie allenfalls als Anzeigenblatt für Kleinanzeigen, wobei die Berliner Morgenpost, auf Grund der Fülle, ein Anzeigenfriedhof war. Hatte ich vor vielen Jahren den Beruf des Journalisten noch als einen ehrenwerten angesehen und mich dabei an Vorbildern wie Tucholsky oder Kästner orientiert, ja selbst etliches geschrieben und veröffentlicht, schäme ich mich heute zu dieser Kaste der Lohnschreiber dazugestoßen zu sein und unterschlage diesen Abschnitt meines Lebens gerne…..

Meine Ablehnung gegen die Presse hat sich noch verstärkt, eben wegen des Mangels an sauberer Recherche, und heute bringen mich die Systemschreiber bei WELT und LÜGEL, alles Alt-68iger, (kann das auch auf andere Blätter erweitern oder die Sendemedien) so auf die Palme, daß ich, wenn denen die Redaktionsbude abbrennt, in einen andere Richtung schauen würde.

Meine Ablehnung ist aber nicht ideologisch begründet, sondern aus dem Abgleich mit eigenen Erfahrungen. Nehmen wir als Beispiel die USA oder Rußland kann ich im ersten Fall auf jahrzehntelange eigene Vororterfahrungen zurückblicken und im Falle von Rußland auf intensives 25jähriges Erleben. Von dem was die Medien berichten stimmt fast nichts, sie vergessen immer, dass es Menschen gibt die das Tendenzgeschreibe überprüfen können. (Wir haben 16 Jahre in Nordamerika gelebt, da wird man doch wohl mitreden dürfen, 49 Staaten der USA kennen wir ganz genau. (Marc Pitzke vom LÜGEL auch? ). Erstaunlich ist für mich nur, dass heute, wo doch so viel mehr gelogen wird, die Printmedien und die Funk- und Sendeanstalten sich in den Dienste einer staatlich gewollten Propaganda stellen, kaum noch Protest erhebt. Jedenfalls keiner von den Linken. Von Studenten schon gar nicht. Jetzt besucht Gretchen Dutschke sogar den Springer-Verlag (stimmt das?), bei der Süddeutschen war sie jedenfalls, in jedem Fall ist sie eine Paradebeispiel für die Lernresistenz dieser ganzen Generation. Einsicht ist von ihren Führern und Mitläufern so wenig zu erwarten wie von den verknöcherten Altnazis. Oder so: Im Grunde alles rote Globkes.

Ach, nochmal zu Springer und zur Springerplakette, ich bin da noch nicht fertig: Fuhr ich in diesen Nach-68iger-Jahren mit dem Bus oder der U-Bahn saßen mir völlig unbedarfte Typen gegenüber, Lehrlinge oder Schüler, Studenten sowieso, mit so einer „Enteignet Springer“ Plakette, der gleiche Menschensud der heute Antiatomplaketten am Revers hat oder „FckAfD“. Was für Mitläufer. Und die erhoben sich über die Generation ihrer Großväter?

Axel Springer erschien mir überhaupt das falsche Ziel zu sein. Seine Boulevardblätter vermittelten eine einfache Sicht, die anspruchsvolleren Zeitungen reflektierten den damals herrschenden Zeitgeist. Besonders große Brötchen konnte man von den Schreiberlingen nicht erwarten. Ja, es gab Ausnahmen, Journalisten die für Qualität bürgten, aber das war selten. Auch heute bringen die Meinungsbildner des Hauses eine Sicht rüber, die vor allem so ist: EU-affin, multikultibegeistert, klimahysterisch, schwulentauglich, transatlantisch und fortgesetztes Trump- und Rußlandbashing. Ein Umdenken nach Ende der Sowjetunion hat nicht begonnen und die Haßartikel gegen unseren östlichen Nachbarn, Ungarn und Polen können künftigen Studierenden des Faches als abschreckende Beispiele dienen. Aber da ist Springer nicht allein.

Aber zu Springer selbst Hatte in den 60iger Jahren nicht besonders Axel Springer die Versöhnung mit Israel gefördert, Millionen gespendet, auch einen Konzertflügel, kam er nicht gerade am Tage der Krawalle vor dem Springer Hochhaus von einer jüdischen Gedenkveranstaltung aus Amerika zurück? Heute ist mir klar, dass sich allein in diesem Haß auf Springer, nicht nur aber auch, bereits damals der Antisemitismus der Linken artikulierte.

Und ich könnte stundenlang abreihern wenn ich mir vorstelle das aus den Lebensarbeitsergebnissen deutscher Arbeitnehmer solche schmierigen Typen wie Bernd Rabehl, der seinerzeit die Gewalt gegen Springer (der im Flugzeug saß) – aber es traf stellvertretend die Auslieferungsfahrer, also Angehörige der „proletarischen Klasse“ -, anheizte. Dieser Rabehl, der dann Professor in Berlin wurde, eine fette Pension bezieht, zur NPD wechselte und von grenzdebilen Alt- und Jungnazis sogar zum Bundespräsidenten vorgeschlagen wurde.

Überhaupt ist der 68iger Totalitarismus ganz dicht an dem Faschismus der Großvätergeneration. Leute wie Rabehl oder Horst Mahler sind ja keine Ausrutscher. Es sind nur die in diesen beiden Vitas (stellvertretend herausgegriffen) manifestierten Überschneidungen und Kongruenzen, die zu erkennen – einer durch die okkupierten Medien gepflegten Geschichtsklitterung – schwierig wird.

Der herbeifantasierte angebliche Massenprotest gegen die Väter- und Großvätergeneration war ein künstlich erzeugter, reduziert auf Studentenkreise. Das von der SPD geförderte neue akademische Proletariat wollte sich profilieren. Die in Universitätszellen gezüchteten experimentierfreudigen studentischen Viren und Erreger, eigentlich Schmarotzer, die von ihren verachteten Eltern oder Staatszuschüssen lebten, beschränkten sich auf die Großstädte und dort auf die Unis. Abgeklärtere Menschen konnten sich die intellektuellen Albernheiten aus der Distanz und durch ein Vergrößerungsglas anschauen. Ein etwas aus den Fugen geratenes Laborexperiment eines in die Dekadenz schlitternden Westens.

So auch die Kommunen. Ich selbst hatte da Freunde. So sehr mir die sexuelle „Befreiung“ gefiel, (schließlich erlaubte sie mir ebenfalls alle möglichen Abenteuer), sie war ja nicht von den Studenten ausgegangen sondern von der chemischen Industrie. Gruppensex und Reihumvögeln war nicht mein Ding, das war doch keine FREIHEIT, das waren simple Testosteronschübe. Dort, bei Schering, im Arbeiterbezirk Wedding, wurden keine Teach-ins veranstaltet, dort war geforscht worden. Herausgekommen war die Antibabypille.

Wenn man nun in einer Kommune rumvögeln konnte hat man das also nicht Einsichten zu verdanken, sondern Chemikern. Ich war einige Male da und ich konnte schon damals ein Lachen nur mühsam unterdrücken: Die Jungs saßen auf dem Boden und diskutierten, die Mädels kochten Kaffee. Diese jungen Groupies der Studenten, nicht immer selbst Studenten, sondern einfach nur mit knackigem Hintern ausgestattet, konnten vor allem eines: Quatschen. Schnell hatten sie begriffen, dass das Gelaber über Gesellschaftsveränderungen anspruchsvoller wirkte als der Austausch in der Mutter-Kind-Gruppe über zahnen, fremdeln und Schwangerschaftsfalten. Es war die den 68igern ganz eigene typische elitäre Arroganz auf nichtstudentische Gruppen herabzuschauen. Ach so, ja, die wollte man ja befreien.

Befreit hatten die sich inzwischen selbst. Ganz ohne akademische Unterstützung. Meine ehemalige Klassenkameradin Rita verdiente sich ihr Geld fürs Studium als Fotomodell. Das Plattencover wo sie nackt auf dem Motorrad hinter einem bekannten Berliner Rundfunkmoderator sitzt habe ich nie vergessen. Und Astrid, eine ebenfalls gute Bekannte gleichen Alters, schaffte am Olivaer Platz 16 an. Jeden Abend ab 21 Uhr. Ich wußte das, weil mein Onkel, ein zu der Zeit bekannter Kieferorthopäde, in dem Haus eine 300 qm-Wohnung hatte. Genau über dem Puff gleicher Größe. Der Vater von Astrid war übrigens Amtsarzt in einem Berliner Bezirk. Es gab Monate da „erwirtschaftete“ sie das Dreifache des Monatseinkommens ihres Vaters. Nun mußte man sich natürlich nicht durch Prostitution emanzipieren. Karola zum Beispiel war eine kleine Bäckereiverkäuferin die ich kannte. Sie hatte 2 Kinder, einen Mann der Karosserie- und Fahrzeugbauer war, in einem Reinickendorfer Betrieb schaffte und unbedingt die Laube in der Kleingartensiedlung ausbauen wollte. Die hatten, ich erinnere mich dessen genau, nichts mit den 68igern am Hut, sie wollten in Ruhe gelassen und nicht befreit werden. Karola hatte eine freche Schnauze, einen flotten Umgang mit den Kunden und wirkte außerordentlich emanzipiert.

Seit Anfang der 90iger Jahre bin ich regelmäßig in Rußland und habe eine Menge Russinnen meines Alters kennengelernt. Nehmen wir mal als Beispiel meine Schwiegermutter, 6 Monate jünger, also theoretisch zur 68iger Generation gehörend. Witwe, enorm emanzipiert, hat 3 Jobs, juckelt ständig in der Weltgeschichte rum und sticht in Punkto Aktivität jeden Mann aus. Alle ihre Freundinnen sind so. Und meine Frau. Jahrgang 71, also theoretisch ein Kind der nächsten 68iger-Generation, wenn es die in Rußland gegeben hätte, ist bestens ausgebildet und strotzt vor Selbstbewußtsein und Unabhängigkeit. Der Unterschied zu westlichen Frauen ist einfach der: In Rußland und Osteuropa gibt es eine Emanzipation by doing. Die Frauen machen, aber sie machen nicht viel Aufhebens. Die westlich indoktrinierten Weiber, die Enkelinnen von Susan Sontag und Judith Butler, die geistigen Töchter der kinderlosen Schwarzer, sind ständig theoretisch überfrachtet, aggressiv und sehen Feminismus als Kampf, als Kriegserklärung, aber nicht als emanzipierte Teilhabe. Diese Aggressivität, diese Ausschließlichkeit, dieses ständig „die Wurzeln kappen“ ist ein typisches Zeichen oder Verhalten der 68iger. Das Wort „leben und leben lassen“ habe sie nicht verinnerlicht. Genau deshalb sind sie heute verkappte Totalitaristen die sich ständig neue Verbote und Gängeleien für den Normalbürger einfallen lassen.

Es ist eine weitere ständig gepflegte Lüge, dass unsere Generation nicht in der Lage war über das Verhalten der Väter und Großväter in der Familie zu diskutieren oder deren Rolle zwischen 33 und 45 zu hinterfragen. Nicht nur in meiner Familie wurde das Thema ausführlich behandelt, auch in den Familien von Freunden und Nachbarn. Diese immer unterstellte Scham mag es gegeben haben, ich selbst habe sie nicht kennen gelernt. Diese Großväter, die im Stil der Landserromane des Bastei-Verlages ihre Erinnerungen sabberten hätte ich gerne Mal kennengelernt. Soweit ich mich erinnere hatte nur einer so einen Opa: Unser Nachbarsjunge Mücke Schulz. Festzuhalten bleibt: All die endlos diskutierten Nazithemen, der Widerstand gegen den repressiven Staat, die Fülle der sozial-, umwelt- und friedenspolitischen Themen gingen Normalotto am Derrier vorbei.

Im Zuge meiner Familienforschung habe ich im Gegenteil ausführliche Briefwechsel meiner Großväter an ihre Kinder, also auch meinen Vater, gefunden die ganz klar beweisen, welche kritische Haltung meine Großväter zu Hitler hatten. Und auch über ihr Verhältnis zu Juden haben sie sich geäußert. Es gibt da nichts, weswegen ich mich meiner Großväter schämen müßte. Mein Vater war bei Kriegsende ohnehin erst 17. Mein Großvater wurde 3 Tage vor Kriegsende als Volkssturmmann vor Berlin erschossen. Wenn ich heute diese umfangreichen Briefwechsel zwischen meinem Großvater und seinen Kindern lese, wie er seinen Kindern während des Krieges Mut zuspricht, sie an ihre moralische Verantwortung erinnert, von ihnen Aufrichtigkeit, Gradlinigkeit und Rückgrat einfordert, bin ich erzürnt über die pauschale Dämonisierung der Großväter- und Vätergeneration die von wohlstandsgehätschelten Schnöseln ausging die meine Alterskameraden waren. Aber das war 68. Inzwischen hat sich das zu einer Hysterie gesteigert die schon paranoide Züge trägt. Deutschland gehört auf die Couch, die Medien allemal.

Meine Tochter berichtet fast täglich, wenn sie aus dem Gymnasium kommt, auf meine Frage, “Na, wie war’s heute?” auch darüber, dass JEDER Unterricht, jedes Fach “antinazistisch oder antirassistisch” kontaminiert ist. Die Klasse stöhnt bei dem Wort Hitler kollektiv auf. So wird in der Deutschstunde kein Klassiker gelesen, es findet keine Auseinandersetzung mit der Literatur statt die Deutschlands Ruf als Hort von Dichtung und Schreibkunst gefestigt hat, sondern es werden zeitgenössische Autoren “analysiert” die vor allem unter „Nazizeit“ oder “Multikultiaspekten” ausgewählt wurden. So ist das in allen Fächern, im Englischen wird nicht Ernest Hemingway, Theodore Dreiser, Ayn Rand oder wenigstens Mark Twain gelesen, nein irgendein zeitgenössischer Multikultiquatsch. Oder ein Buch, das, ich habe es mitgelesen, so bekloppt ist, daß es an dänischen Schulen verboten wurde. Das Buch ist von der dänischen Autorin Janne Teller und heißt “NICHTS”. “Der Roman handelt von der Sinnlosigkeit des Lebens und ist auf Grund seiner ausgeprägt nihilistischen Aussagen seit der Veröffentlichung heftig umstritten.” (Wikipedia)

Das ganze Gedöns nimmt wenigstens 30 Prozent der Unterrichtszeit in Anspruch. Weitere 30 Prozent gehen, auch in allen Fächern, für die “Aufarbeitung” der Nazizeit, also die Jahre 33-45, drauf. 30 Prozent der Zeit fehlen die Lehrer, viele im 68iger-Look, weil sie “unpäßlich” sind, ein krankes Kind zuhause haben oder ihr Pferd füttern müssen. Bleiben 10 Prozent. Da geht der 68iger-Lehrer oder sein in diesem Sinne indoktrinierter Lehrersohn/tochter ganz mutig aus sich heraus und übt sich im Trump oder Putinbashing.


Zurück zu den Großvätern. Mich macht der Artikel in der WELT (Springer !!!) ) von diesem Sven Felix Kellerhoff „Wie sich heutige Deutsche die NS-Zeit schönlügen“ sauwütend. Ich kann es auch gröber sagen: Diese Besserwisserei der Spätgeborenen, der 70 Jahre zu spät gekommenen Widerstandskämpfer und Geschichtslügner kotzt mich an.

(Beispiel? Die heute demontierten Trümmerfrauen habe ich selbst erlebt und mir wegen zu langen Zuschauens und Nicht-nach-Hause-Kommens eine Kopfnuß von meiner Mutter eingefangen).

Doch das Thema waren die 68iger. Ich sehe auch heute in 90 Prozent der Fälle einem Gleichaltrigen seine 68iger-Haltung an. Es ist egal ob ich auf einen der Gruftis am Baikalsee treffe oder am Grand Canyon, sie haben alle die gleiche Ausstrahlung. Dann frage ich mich immer wo ihre MAO-Bibel wohl heute liegt, würden sie es zugeben, dass sie das Ding damals in den Jeans stecken hatten? Dass sie einen Massenmörder angehimmelt hatten, einen dessen Kulturrevolution 45 Millionen Menschen das Leben gekostet hat? Je mehr das Schicksal und meine Eigeninitiative mir vergönnte von der Welt zu sehen, je mehr Länder ich bereiste, nicht als Tourist, sondern als Reisender, mich für die jeweiligen sozialen, ökonomischen und kulturellen Verhältnisse interessierte, je mehr ich die dortigen Alltagsprobleme wahrnahm, besonders in den Schwellen- und Entwicklungsländern, umso mehr fragte und frage ich mich, ob wir, also meine Genration und die unserer Kinder, nicht irre geworden sind. Was für eine Anmaßung, was für eine Unverfrorenheit unsere Vorstellungen von Gesellschaftsveränderung und gesellschaftlicher Entwicklung in andere Kulturen tragen zu wollen.

Kommt mir ein Che-T-Shirt-Träger entgegen muß ich an mich halten. Was für eine Flachpfeife, was für ein geschichtsunkundiger Träumer, was für ein Mitläufer, Hinterherhechler hinter einer künstlich aufgeblasenen Ikone. Sich einen Mörder, einen Unruhestifter auf die Brust zu ziehen ist für mich unfaßbar. Wie armselig muß eine Ideologie sein, wenn sie sich solche Märtyrer aufbaut. Wie stehen sie heute dazu, die 68iger, daß sie oder ihre Führer(!)skandierend durch die Straßen tobten und “Ho, Ho, Ho Chi Minh!” grölten? Den Namen eines Massenmörders einfachen Arbeitern, Verkäuferinnen, Büroangestellten und Polizisten in die Ohren posaunten? Ich würde so einen 68iger gerne so persönlich ausquetschen wollen wie die die 68iger Edelstudenten ihre Großväter ausquetschen wollten. Ach übrigens: Rudi Dutschke und sein Gretchen haben ihren Ältesten Hosea-Che genannt….

Überhaupt die Verehrung des asiatischen Befreiungskampfes, der gesellschaftlichen Umformung. Ich habe die Killing Fields besucht, die Totenschädel gesehen, wie konnte man sich für diese Bewegungen begeistern? MIR war das schon damals unverständlich. In der Schule hatten wir einige Jahre zuvor Sartre gelesen, ich erinnere mich wie begeistert unser Lehrer war. Begeisterung für einen Kommunisten der die kommunistischen Gräuel WIDER besseren Wissen unterschlug? Mein Vater hatte ganz Recht, den Intellektuellen nähert man sich nur mit äußerster Vorsicht (und er war selber einer). Erst viel später habe ich Roland Baader „Totgedacht: Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören“ gelesen und das bestätigt gefunden.

Ich bin sicher, die 68iger werden ihre Kollaboration mit dem Unrecht genauso leugnen wie ihre Großväter (angeblich oder tatsächlich) geleugnet hatten. Ob sich die jungen Chinesen, die ich so ergriffen weiße Nelken in der Gedenkhalle für den Vorsitzenden Mao am Tian’anmen-Platz ablegen sah, vorstellen können, dass es vor 50 Jahren Gleichgesinnte in Europa gab? Den Chinesen verzeihe ich ihre Unkenntnis, den 68igern nicht.

Kommen wir zur Erziehung. Dieses ganze Kinderladentheater, diese saudämliche antiautoritäre Erziehung, bzw. Verziehung einer ganzen Generation von Kindern, diese verblödeten Summerhill-Anbeter haben eben genau das hervorgebracht was uns heute Probleme macht. Pädophile, Übergriffige, Odenwald-Pädagogen-Geschädigte, diese Volker Becks und Cohn-Bendits, diese kranken Hirnwindungen, die heute ihre Parallelgesellschaften in Kreuzberg, Neukölln, Friedrichshain oder in der Roten Flora betreiben, bzw. ihre verzogenen Gören. Konstruktiv sind sie nicht, die Gesellschaft bringen sie nicht wirklich voran. Ein Großteil dieser Pissgörengeneration ist total infantilisiert.

Sich als schwul zu outen ist kein gesellschaftlicher Fortschritt. Es wird immer so getan als ob Volker Beck und Konsorten das Bekennen erst möglich gemacht haben. Alles Quatsch. Mein bester Freund Gabriel war stockschwul. Das war….eben 1968. Er wußte es, ich wußte es, unsere Freunde wußten es, die Hausgemeinschaft in dem Mietshaus wußte es, sein Chef und die Mitarbeiter wußten es. Hatte er Nachteile gehabt? Nie, nicht einmal. Manchmal gingen wir ins Theater oder in die Oper. Er bewegte sich schwul, man sah es ihm an. So what? Es war auch hilfreich. Als wir mal über die Reeperbahn bummelten hakten wir uns unter. Danach wurden wir von den Türstehern in Ruhe gelassen. Oder ein anderes Beispiel: Ich kaufte alle meine LP im größten Berliner Schallplattenladen im Europa-Center. Der Laden war ein Begriff. Weihnachten machte ich dort in der Klassikabteilung Aushilfe, BAföG gab es für uns nicht, man mußte seine Kohle schon selbst verdienen. Die Geschäftsführerin war lesbisch und das gesamte männliche Personal stockschwul. Das war stadtbekannt. ICH war der Außenseiter. Dieses von den 68igern forcierte Outing, diese LGBT-Lobby ist alles künstliches Theater. Nebenkriegsschauplätze einer überfütterten Gesellschaft. Nein, sie haben das Schießpulver nicht erfunden. Schwule lebten auch vorher schon gut.

Antiautoritäre Erziehung was sollte das eigentlich sein? Als Vater von 4 Kindern und 4 Enkeln habe ich das heute noch nicht begriffen. Das ist das furchtbarste Mißverständnis im Umgang mit jungen Menschen überhaupt. Sie brauchen niemanden der sich autoritär gebärdet, sie brauchen überzeugende Autorität. Die finden sie heute weder in der Politik, noch in den Medien. Ein Mensch der einmal ein NEIN gehört hat, wird damit umgehen können. An der Politik der 68iger-Weicheiernachfolgegeneration sehen wir, dass sie nie ein NEIN gehört haben. Deshalb setzen sie sich auch permanent über die Wünsche der Bevölkerung hinweg. Hier noch ein Einschub zu meinem eigenen Erleben einer antiautoritären Erziehung die, so will ich hoffen, doch nicht typisch war: Wir hatten Bekannte, Ehepaar, beide Psychiater, die waren so antiautoritär das sie ihren Kleinen absichtlich ins kackvolle Töpfchen fassen ließen. Sie nannten das Materialerfahrung…..

Die 68iger haben ihre eigenen verkorksten Anwälte und Lehrer, sie bevölkern die politische und mediale Klasse, sie sitzen heute in Schulen, Ämtern und Behörden, ja selbst in den Führungsetagen der freien Wirtschaft, haben der Gesellschaft einen Dreh gegeben der in seiner ideologischen Verhärtung so fatal an die Verformungen der braunen Zeit erinnert.

Ich stelle fest: Die Infektion der Deutschen mit braunem sozialistischen (das nationalistische war nur die Verpackungshülle und Krücke zur Stabilisierung der Bewegung) Gedankengut zwischen 33 und 45 war eine zeitlich begrenzte und die anschließende Demokratie-Impfung durch die Siegermächte relativ nachhaltig. Die grünrotlinke 68-iger Infektion deutscher Gehirne währt schon 50 Jahre, es ist keine rettende Impfung in Sicht und es werden weitere Generationen im 68iger-Geist versaut werden. Für die Erkenntnis, dass sich beide Haltungen so deckungsgleich sind, dass Rotgrün ein tiefes Braun ergibt braucht man keinen Tuschkasten.

Nein, es gibt keinen Grund den latent freiheitsfeindlichen Aufbruch der 68iger zu feiern. Ein Ende ist nach 50 Jahren nicht zu merken. Ich persönlich sehe eine impotente Geisteshaltung die noch mindestens 20 Jahre weiterlebt, die ihre degenerierten Keime an noch eine weitere Generation überträgt und von der es nicht sicher ist ob sie zum 70igsten endlich verscharrt werden kann.

 

Bin ich nun von 68igern und ihrer Brut umzingelt? Fühle ich mich bedroht? Persönlich?

Ja und nein. In Kanada (Perm.Res.) ist Trudeau der fleischgewordene Alptraum infantiler Zeitgeistkollaboration die so, oder so ähnlich inzwischen viele Kanadier verinnerlicht haben. Das macht auch vor der Landbevölkerung nicht halt, sofern sie einige einigermaßen gute Ausbildung haben. Die Trailerwohnlinge interessiert eh nichts. In den USA (Latifundien) sind wir froh wenigstens in den Kentucky Mountains oder vergleichbaren Orten noch freie, unabhängige Freunde und weitere Menschen zu finden die nicht nur auf den, sich wie Hefe ausbreitenden, Sozialstaat warten. In Dänemark, wo meine 4 Enkel wohnen und wo ich oft bin, findet wenigstens bei einigen gerade eine Rolle rückwärts statt. Ansonsten gleicht die dänische Betulichkeit und Beliebigkeit weitgehend der deutschen. In der Schweiz, unserem gelegentlichen Fluchtpunkt, finden wir den Irrsinnsfraß besonders um Zürich, also immer da wo der Staat seinen fürsorglichen Nannymantel ausbreiten MUß. Aber da die Landbevölkerung überall verstädtert ist ist das 68iger Syndrom ebenfalls fast flächendeckend.

Nun haben wir auch wieder in Deutschland einen Wohnsitz. Auf dem Lande, 8km von einer Landeshauptstadt entfernt, 800 Einwohner. Auch hier ist natürlich alles verstädtert. Och, die Nachbarn sind alle reizend und wir kommen bestens mit ihnen aus. Etliche sind natürlich so 68iger wie sie im Buche stehen. Sogar die letzten 3 Bauern, sind ja auch so eine Art Kriegsgewinnler da auf ihrem Grund diese Windmühlenflügel stehen. Wir haben keine Berührungsängste und picheln bei Dorffesten mit allen. Aber die Frau im Bücherladen versteckt natürlich „Hänschen im Blaubeerwald“ oder müßte es erst bestellen. Bei Pirincci würde sie wahrscheinlich den Vorwand finden „nicht bestellbar“ oder „vergriffen“. Unser Heckenschneider hält pingelig die Schneidezeiten ein wegen der Vogelbrut. Er würde schon schneiden, aber er hat Angst vor den grünen Nachbarn zwei Grundstücke weiter. Doch doch, man kann schon recht frei leben und alles machen was nicht verboten ist. Stimmt schon. Nur, so: Zwischen 1970 und 2000 war viel mehr erlaubt. Der Einschränkungs- und Verbotszug mit den 68igern im Führerstand nimmt immer schnellere Fahrt auf. Erste schriftliche Mahnung, wieder auf deutschem Boden, wir waren noch nicht mal richtig eingezogen, war die Erinnerung an die „Heckenrückschneidepflicht“. Halleluja.

Diese bejubelten 68iger haben weder etwas von Individualismus verstanden, noch von Frauenrechten, nichts von Pädagogik, nichts von Staatsferne, nichts von Eigenverantwortung, nichts von Selbstdisziplin, nichts von Bildung, nichts von Geschichte und Herkunft, nichts von nationalere Identität und Brauchtumspflege, nichts von Heimat, nichts von Deutschland und schon gar nichts von Freiheit.

© Hans Wulsten, Februar 2018

Kommentare

  1. Hans Wulsten

    Ich kann nur davor warnen das Kapitel 68iger als erledigt anzusehen. Das was sich heute bei den Grünen, den Linken, der SPD und auch der CDU rumdrückt ist nach 50 Jahren so indoktriniert, so geformt von dem Dauerbombardement der Medien, daß wir noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte damit zu kämpfen haben.

    Ich wiederhole mich: Die 12 Jahre von 33 bis 45 haben Deutschland nicht so nachhaltig verformt wie die 50 Jahre seit 1968.

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