Politik

Arnaud Beltrame

Von Hans Wulsten

Der Mann wurde nur 45 Jahre alt. Mit dem Wort Held bin ich sehr vorsichtig, aber diesmal ist es angebracht. Der Mann war vorbildlich, aber die die es ihm nicht gleichtun können, sich nicht opfern können oder wollen, sollte man nicht verachten.

Der Innenminister sagt: “Frankreich wird niemals seinen Heldentum, seine Tapferkeit und sein Opfer vergessen”

Diese Sprüche kenne ich. Zu oft hat man sie schon gehört. Fragen Sie mal in 14 Tagen jemanden wer Arnauld Beltrame war. In Deutschland sehe ich offene Mäuler vor mir, in Frankreich warten wir 4 Wochen und fragen dann. Antwort wird sein: “Je ne sais pas.”

Bisher haben wir den Namen nie gehört und in Zukunft wird er vergessen sein. Wenn es hochkommt, nennen sie in Trèbes eine Straße nach ihm. Trèbes ist ein Kaff mit 5587 Einwohnern. Sicher, da wird man sich seiner länger erinnern.

Was ich besonders schlimm finde ist, wie die Presse den Täter beschreibt:

° Ein kleinkrimineller Drogenkonsument, der auch mal “randalierte”.

Na sowas, solche Typen finden wir jeden Tag in der Zeitung, generell unter “sonstige Vorkommnisse” oder “aus dem Polizeibericht”.

Für jeden Scheiß machen die Boulevardblätter 10 cm hohe Balkenüberschriften. JETZT hätten sie schreiben sollen:

° EIN ISLAMIST
° EIN VERBRECHER
° EIN DSCHIHADIST
° EIN KILLER IM NAMEN ALLAHS
° EIN ALLAHU AKBAR MÖRDER

Und sie hätten schreiben können, aber dafür bräuchten die Herren Dschurnalisden Eier, und die haben sie nicht, der und der in der Regierung ist schuld, der und der hat diese Typen nach Frankreich geholt. Der und der hat in der Vergangenheit die Verbrechen des Islam relativiert. Der und der ist mitverantwortlich.

Würde ich die Namen in der französischen Politik kennen, würde ich sie schreiben. Aber Le Monde kennt sie und Le Figaro kennt sie und L’Indépendant kennt sie und bei uns kennen DIE WELT, DER SPIEGEL und FOCUS sie.

Aber diese Weicheier von Schreiberlingen, die Sesselfurzer erregen sich über 4 Grabkerzen vor dem Büro von Merkel, dort aufgestellt im Gedenken an MARIA, KEIRA, MIA, MIREILLE, abgestochen von eingeladenen Verbrechern, Mus****n, unkultiviertem Abschaum, die unsere Straßen unsicher machen so wie die Radouane L.’s , (der Attentäter) deren es VIELE, jawohl VIELE in Frankreich gibt.

R.I.P. ARNAUD BELTRAME

 

Vorzeitiger Todesfall


Ich kenne sie gut, diese kleinen Supermärkte, die sich meist am Rand aller etwas größeren Ortschaften in Frankreich angesiedelt haben. Sie heißen Carrefour und Intermarché und Casino und SuperU und Ecomarché und anders. Man bekommt dort alles zum täglichen Bedarf und manches darüber hinaus. Größere Orte mit größerem Einzugsgebiet haben entsprechend größere Märkte, in denen man sich durchaus einen halben Tag aufhalten kann. Im Eingangsbereich ist meist ein Bistro mit preiswertem Mittagsmenu, daneben der Zeitungsladen und daneben noch ein Friseur. Draußen gibt es reichlich Parkplätze und nahezu jeder der Märkte, auch die kleinen, haben eine Tankstelle, an der sich wegen der günstigeren Preise oft lange Schlangen bilden. In den Kleinstädten sind diese Supermärkte beliebte Treffpunkte, nicht nur für die Bewohner des Ortes selber, sondern auch aus dem Umland.

Seit zwei oder drei Jahren klebt an einem auch von mir ab und zu besuchten Markt in einer Nordfranzösischen Kleinstadt ein großes gelbes Plakat neben der Eingangstüre. Und gewiss nicht nur an diesem Markt. Es enthält Hinweise in Wort und Bild, wie man sich im Falle eines Terrorüberfalls verhalten sollte. Ich kann mich nicht im Detail an die Anweisungen erinnern, im Ernstfall würden sie auch wenig nützen. Viele dieser Läden sind nicht besonders groß, Versteckmöglichkeiten gibt es so gut wie keine, und spätestens, wenn es mehrere Täter sind, ist die Chance, ihnen zu entkommen, gleich Null.

Der SuperU in Trèbes ist einer dieser Märkte. Viel Parkfläche ringsum, gut erreichbar an einer schnurgeraden Durchgangsstraße gelegen und somit eine sichere Investition für das Mutterunternehmen. An seiner Tankstation kann man Flaschengas kaufen, und in einem kleinen Gebäude daneben kann man 24 Stunden am Tag seine Wäsche waschen und trocknen lassen. Ich schätze die umbaute Fläche dieses SuperU auf etwa 600 bis 800 qm, inklusive Lager und sonstigen Nebenräumen. Damit ist er einer von mittlerer Größe, was wohl dazu beigetragen hat, dass eine Reihe von Kunden sich verstecken oder nach draußen entkommen konnten. Aber auch das dank der Tatsache, dass der islamische Terrorist alleine unterwegs war.

Als Lieutenant-Colonel Arnaud Beltrame sich am Morgen des 23. März von seiner Frau verabschiedete, war es das letzte Mal. Bertrame, 45 Jahre alt, war ein erfahrener, tapferer Mann, der bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. 2005 diente er als Soldat im Irak, und im Dezember 2017 nahm er als Kommandant an einer Übung teil, bei der ein Terrorangriff auf einen Supermarkt in Carcassonne und dessen Bekämpfung simuliert wurde.

Als Arnaud Beltrame gestern Vormittag am SuperU in Trèbes ankam, hatte der islamische Terrorist bereits drei Menschen getötet, einen Autofahrer sowie einen Kunden und einen Angestellten. Unschuldige, arglose Opfer eines fanatisierten Moslems; für den Angestellten war es ein Arbeitstag wie jeder andere mit Aussicht aufs nahe Wochenende, für den Kunden war es vielleicht nur ein kurzer Halt. Der Terrorist hatte darüber hinaus im Laden Geiseln genommen, und Bertrame ließ sich unbewaffnet gegen eine weibliche Geisel austauschen. So viel man in der kurzen Zeit bis heute über ihn erfahren konnte: er wird keine Sekunde überlegt haben, welche Konsequenzen das für ihn haben könnte; er sah es einfach als seine Pflicht an, Menschenleben zu retten, und koste es das seine. Dass diese Möglichkeit real bestand, dürfte ihm bewusst gewesen sein, es gab ja bereits Tote an diesem Morgen.

Arnaud Beltrame sieht freundlich aus auf seinen Bildern. Man hat keinen Zweifel: er war Polizist, weil er Menschen vor Unheil und Kriminalität schützen wollte. Die drei anderen, bisher namenlosen Opfer des islamischen Anschlags waren sicher auch freundliche Menschen. Sie lebten in einer wunderschönen, provinziellen Gegend, in der außerhalb der Feriensaison kaum etwas los ist. Im großen Stil wird hier Wein angebaut, es ist nicht weit bis zum Mittelmeer, und die Bilderbuchstadt Carcassonne ist nur ein paar Kilometer entfernt. Dass sich der Anschlag hier, im ganz und gar ländlichen Frankreich ereignete, zeigt wieder einmal, dass es keinen Ort gibt, an man vor den Mördern im Namen Allahs sicher wäre. Man kann sich ohne viel Fantasie vorstellen, mit welchen Gefühlen überall im Land die Angestellten von Intermarché oder Carrefour am Samstag zur Arbeit erschienen. Mit welchen Ängsten viele Kunden heute zwischen St. Omer im Norden und Tarascon-sur-Ariège im Süden ihre Wochenendeinkäufe erledigten. Morgen, Montag, Dienstag… Und machen wir uns nichts vor: Sie oder Sie oder ich können die nächsten Opfer sein. Vielleicht in der Warteschlange beim Bäcker oder an der Käsetheke. Dann sind wir, wie es in „Studien“ gerne ausgedrückt wird, „vorzeitige Todesfälle“. Nun gut; das sind Studien im Bereich „Quantifizierung von umweltbedingten Krankheitslasten aufgrund der Stickstoffdioxid-Exposition in Deutschland“ und nicht zum Thema „Islamischer Terror“. Wären die nicht langsam einmal angebracht? Mit realen und nicht bloß hypothetischen Opfern!

Es ist nicht alleine der jeweilige Terroranschlag mit seinen unmittelbaren Opfern, es sind die psychologischen Folgen solcher Taten und deren Auswirkungen. Von daher genügt ein einziger Terrorist, um ein ganzes Land zu treffen. Auf diese Weise werden Menschen immer verunsicherter und ängstlicher in ihrem täglichen Leben, und das schränkt nicht nur unsere Lebensqualität ein, sondern auch die derer, denen man eine fremde Herkunft ansieht, die aber im Leben nicht daran denken, den Ländern und Menschen, die sie als berechtigte Asylsuchende aufgenommen haben, zu schaden. Zudem nicht alle, die in den letzten Jahren hierher gekommen sind, Muslime sind. Auch sie spüren das Misstrauen bis hin zur offenen Ablehnung, und das darf nicht sein.

Seit zwei Jahren wurde der Täter von Trèbes laut Innenminister Gerard Collomb als potenzieller Gefährder „beobachtet“. Das kennt man doch irgendwo her. Man habe allerdings nicht damit gerechnet, dass er zu einer Terrortat fähig sei. Auch das klingt mehr als vertraut. Das traurige Ergebnis dieser – wieder einmal – Fehleinschätzung sind vier Tote, trauernde Hinterbliebene und ein erneut verwundetes Land. Das geführt wird von Politikern, die noch immer nicht begreifen wollen, dass sich die westlichen Länder im Kriegszustand befinden.

awb

 

NACHTRAG

Die Terrortoten von Carcassonne und Trèbes:

Jean Mazière († 61): Weinbauer aus Villedubert, der Nachbarstadt von Carcassonne. Er war der Insasse des Opel Corsa, den der IS-Mann Lakdim kaperte und wurde von diesem erschossen. Der Fahrer des Wagens war der portugiesische Staatsbürger Renato Silva, der den Kopfschuss des Dschihadisten überlebte, aber im Koma liegt. Silva ist erst 27 jahre alt.

Christian Medves († 49): Der Leiter der Filiale des Super U. in Trèbes, in der die Geiselnahme stattfand. Er wurde laut Zeugenaussagen vor den Augen seiner Mitarbeiter förmlich exekutiert. Medves war Vater zweier Töchter und obwohl er noch keine 50 war, bereits einmal Großvater. Als Filialleiter kannte ihn ganz Trèbes; er wird als lebensfroh, engagiert und sprühend vor Energie beschrieben.

Hervé Sosna († 65): Ein Bürger von Trèbes, der regelmäßig, zweimal pro Woche, den Super U. zum Einkaufen aufsuchte und dort gestern durch die Kugeln des Dschihadisten starb. Sein Halbbruder beschreibt ihn als einen sehr belesenen Mann mit einer großen Leidenschaft für Poesie.

Arnaud Beltrame († 45): Vielen bereits bekannt – der französische Polizist der Gendarmerie l’Aude im Rang eines Lieutenant-Colonel, der sich gegen eine weibliche Geisel austauschen ließ. Ladkim gab mehrere Schüsse auf ihn ab und verletzte ihn schwer. Beltrame erholte sich von den Verletzungen nicht mehr und erlag ihnen heute.

In Frankreich haben sich antisemitische Übergriffe vervielfacht.

Wandschmierereien auf den Häusern von Juden ermahnen die Besitzer, “umgehend zu verschwinden”, wenn sie am Leben bleiben wollen. Anonyme Briefe mit scharfer Munition werden in die Briefkästen von Juden geworfen.

Die französischen Juden, denen es möglich ist das Land zu verlassen, tun es. Die meisten Abreisen finden überstürzt statt; viele jüdische Familien verkaufen ihre Häuser und Wohnungen weit unter dem Marktpreis. Einst blühende jüdische Stadtviertel sind jetzt vom Aussterben bedroht.

In Frankreich ist es gefährlich, die Wahrheit über den islamischen Antisemitismus beim Namen zu nennen. Für Politiker ist es Selbstmord. Weiterlesen

Sagen Sie hinterher nicht, Sie hätten nichts gewusst und nichts tun können.

“Liebe Delegierte des Sonderparteitags der CDU!

Wie fühlt man sich als machterhaltende Verfügungsmasse? Haben Sie gut geschlafen, nachdem Sie erneut und diesmal fatal versagt haben? Waren Sie stolz auf sich oder haben Sie sich damit getröstet, keine Wahl zu haben?

Was hat Sie vom mündigen Bürger, der man in einer Demokratie gefahrlos sein kann, zum eilfertigen Abnicker werden lassen? Sind Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst, ist Ihnen klar, dass Sie die Weichen gestellt haben für eine Regierung, die unser Land ungebremst in ein gefährliches Fahrwasser steuern wird? Sie hatten die Möglichkeit, das zu verhindern.” 

Dieser Brief an die Deligierten des letzten CDU-Parteitages ist die Philippika einer Frau, die die CDU aus dem Innersten kennt und heute noch Mitglied ist: Vera Lengsfeld. Die Autorin war von 1996 bis 2005 Bundestagsabgeordnete der CDU. 1998 wurde Sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Der Brief benennt Verantwortlichkeiten, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Die Achse des Guten dokumentiert den Brief in voller Länge.

Das doppelte Muttchen.

“Merkel ist zur doppelten Mutti geworden: zur strengen, gefühllosen und ungerechten Stiefmutter für die aufmüpfigen Deutschen und zur fürsorglichen, nachsichtigen und gütigen Mama für die Flüchtlinge.” Sagt Claus Strunz in einer bemerkenswert deutlichen Abrechnung mit der Kanzlerin auf SAT1. Sein ganzer Kommentar in Wort, Bild und Ton bei Jürgen Fritz.

Wie die staatliche Presse und ihre Gläubigen das finden, kann man sehr schön hier nachlesen. Und hier. Und natürlich ist Strunz was? Bekannt “für seine rechtspopulistischen Kommentare” und “umstritten”. Uhhhh, böser weißer Mann!

Hegemonie des hypermoralistischen Diskurses

MORAAAL!

“Beobachten Sie die typische Situation in einer abendlichen Polit-Talkshow. Derjenige Redner, der seine Position möglichst moralisch darstellt, der auf irgendwelche Ungerechtigkeiten hinweist, ist immer rhetorisch in der Vorhand. Und derjenige, der dann dagegenreden will, vielleicht mit sachlichen, mit nüchternen Argumenten, der wirkt fast automatisch unsympathisch. Das ist also der, der das kalte Herz hat, der nur analytisch an die Sache rangeht. Also, mit Moral zu operieren, bringt eben einen enormen rhetorischen Vorteil. Das bringt häufig Sympathien. Man wirkt eben menschlich. Man wirkt empathisch. Und demgegenüber tritt dann das Sachargument zurück.” Alexander Grau (Die neue Lust an der Empörung) im Gespräch mit Andreas Main auf DLF

Ebenfalls lesenswert in Cicero – Alexander Grau: CDU – Am intellektuellen Nullpunkt